Von der Graduation ins neue Schuljahr
🎓📚✨

In den letzten Monaten hat sich an der Schule unglaublich viel verändert. Einer der emotionalsten Momente war die Graduation der 11. Klasse an La Providencia.

Ich habe diese Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihres Schuljahres begleitet, und plötzlich standen sie dort in ihren Abschlussoutfits, bereit für einen neuen Lebensabschnitt. Wir waren sowohl bei der offiziellen Feier als auch beim Prom dabei. Es war wunderschön zu sehen, wie stolz sie auf sich waren. In diesem Moment habe ich gemerkt, wie sehr ich mich mit der Schule verbunden fühle. Die Schüler sind für mich längst nicht mehr nur „meine Klassen“, sondern Menschen, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind.

Nach der Graduation starteten für die Schülerinnen und Schüler die zweimonatigen Ferien. Für uns bedeutete das zunächst einen Wechsel des Einsatzortes, da wir drei Wochen lang an der öffentlichen Schule unserer Mentorin Martha gearbeitet haben. Diese Schule wirkte strukturierter und insgesamt ruhiger als La Providencia. Ich habe dort im Englischunterricht unterstützt und zusätzlich einen Lehrer in Philosophie und Sozialwissenschaften begleitet. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich Unterricht organisiert sein kann und wie stark sich das Umfeld auf das Lernen auswirkt. Diese Zeit hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie sehr Bildung von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängt.

In dieser Zeit durfte ich außerdem die sogenannten Novenas in der Schule miterleben. Novenas sind eine Tradition, bei der in den neun Tagen vor Weihnachten Familien und Freunde zusammenkommen, um zu singen, zu beten und gemeinsam Zeit zu verbringen. Diese Tradition wurde auch bei uns in der Schule gefeiert. Jeden Tag war eine andere Klasse zuständig, und es wurde gemeinsam gesungen und gebetet. Am letzten Tag kamen sogar viele Eltern zur Feier dazu. Es wurde vorgeführt, was in der Woche zuvor vorbereitet worden war, und es wurde viel getanzt. Die Beiträge wurden der gesamten Schulgemeinschaft präsentiert. Ich war an diesem Tag mit der 11. Klasse eingeteilt, und wir haben alle das gleiche grüne „Merry Christmas“-T-Shirt getragen. Das war ein richtig schöner gemeinsamer Moment.

Gleichzeitig musste ich oft an meine Schülerinnen und Schüler in Aguablanca denken. Dort sind die Herausforderungen größer, der Alltag manchmal chaotischer, aber die Beziehungen intensiver. Ich habe gemerkt, wie sehr ich diese besondere Energie von La Providencia vermisst habe.

Anfang Februar begann dann das neue Schuljahr. Die Klassen wurden neu zusammengesetzt, einige Schüler sind eine Stufe weitergerückt, und neue Gesichter kamen dazu. Für mich bedeutet das ebenfalls neue Aufgaben. Ich arbeite jetzt mit den Klassen 9 bis 11 sowie mit Transition und dem Kindergarten. Besonders freue ich mich darüber, auch mit den kleineren Kindern Englisch zu machen und sie spielerisch an die Sprache heranzuführen. Es ist etwas ganz anderes, mit Teenagern zu arbeiten als mit den ganz Kleinen im Kindergarten, aber genau das macht es so spannend.

Inzwischen begleite ich mehrere Englischlehrer und versuche, bei allen bestmöglich mitzuhelfen. Am meisten arbeite ich weiterhin mit Yisleth zusammen, aber ich bekomme auch Einblicke in die Stunden der anderen Lehrer. Es ist sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich Unterricht gestaltet wird und wie verschieden die Lehrer mit den Klassen arbeiten und kommunizieren. Dadurch lerne ich selbst viel dazu und entwickle mein eigenes Verständnis davon, wie Unterricht funktionieren kann.

Eine weitere spannende Erfahrung war die Wahl der Schülervertretung in der 10. und 11. Klasse. An einem Tag war die 10. Klasse an der Reihe, an einem anderen die 11. Klasse. Ich konnte diese Tage miterleben und beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Wahlkampagnen organisiert haben. Sie hatten eigene Parteien, Plakate und klare Programme. Besonders beeindruckend fand ich, dass sie durch die Klassenräume gegangen sind, ihre Ideen vorgestellt und ihre Mitschüler überzeugt haben. Es war spannend zu sehen, wie selbstbewusst und engagiert sie ihre Präsentationen gehalten haben. Ich habe an diesen Tagen auch Fotos gemacht und fand es schön zu erleben, wie Verantwortung und Mitbestimmung hier im Schulalltag gelebt werden.

Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, ist viel passiert. Abschied von einer Klasse, neue Schüler, neue Strukturen und neue Aufgaben. Irgendwo dazwischen habe ich gemerkt, dass ich selbstständiger geworden bin. Ich bringe mich heute viel selbstverständlicher ein und habe weniger Angst, Fehler zu machen. Auch die Zusammenarbeit mit den Lehrern hat sich verändert. Dadurch, dass ich inzwischen viel mehr Spanisch spreche, fühlt sich vieles natürlicher an und mehr wie echtes Teamwork. Die Hälfte meines Freiwilligendienstes liegt noch vor mir, und ich hoffe, dass es weiterhin so toll bleibt wie bisher. Ich freue mich darauf, weiterhin Teil des Teams zu sein und bin sehr dankbar für die Möglichkeit, hier zu lernen und mitzuwirken.

Saludos desde Cali 💛💙❤️